Stadionwelt im Interview mit Thomas Fischer.

Stadionwelt: Mobile Dauerkarten, wie funktioniert das?
Fischer: Nach der Onlinebuchung wird das Ticket sofort angezeigt. Bei Desktopbuchungen erscheint das Print@Home-Ticket. Bucht der Fan mit dem mobilen Endgerät, bekommt er das Mobile Ticket auf sein Smartphone. Zusätzlich sendet das System per E-Mail eine Kaufbestätigung mit einem Link zum Druck oder der Anzeige seiner gebuchten Tickets. Die mobile Jahreskarte wird als Einzelticket pro Spiel geliefert. Je nachdem mit welchem Endgerät die Mail geöffnet wird, passt sich das Ticketlayout automatisch an.

Stadionwelt: Kommen mobile Dauerkarten häufig zum Einsatz?
Fischer: Die Dauerkarte steht nach wie vor auch als Plastikkarte und Print@Home- Ticket zur Verfügung. Deshalb kennen wir nicht die genaue Prozentzahl der Fans, die die Mobile Dauerkarte einsetzen. Durch die Google Analytics Auswertung wissen wir aber, dass im Durchschnitt 20 % der Onlinekäufer ein mobiles Endgerät zur Ticketbuchung nutzen. Viele der jüngeren Besucher haben weder einen PC noch einen Drucker zu Hause. Uns war wichtig, diesen Service geräteunabhängig und ohne Installation von Apps anzubieten.

Stadionwelt: Welche Vereine nutzen ihr System?
Fischer: Dazu zählen unter anderem die Fußball-Drittligisten Würzburger Kickers, Dynamo Dresden und Energie Cottbus sowie der FC Carl Zeiss Jena und der FC Homburg. Auch Teams aus anderen Sportarten setzen Mobile Ticketing ein, etwa der Mitteldeutsche Basketball Club, der ThSV Eisenach oder der KAC Klagenfurt. Mobile Ticketing gibt es in diesem Winter außerdem bei drei Weltmeisterschaften und den Biathlon Weltcups in Hochfilzen, Oberhof und Ruhpolding.

Stadionwelt: Worin liegen die Vorteile einer mobilen Dauerkarte?
Fischer: Die Fans freuen sich. Die Jahreskarte ist immer auf ihrem Smartphone dabei. Das ist nicht nur cool sondern auch praktisch. Kein Warten mehr auf die Kumpels vorm Stadiontor, denn einzelne Tickets können als SMS, Bild oder E-Mail versendet werden.

Stadionwelt: Welche technischen Voraussetzungen müssen beachtet werden?
Fischer: Das elektronische Zutrittskontrollsystem im Stadion oder in der Arena muss in der Lage sein, die Barcodes vom Screen des Smartphones zu lesen. Dazu setzen wir Handheldscanner der modernsten Generation ein, sogenannte mobile 2D Imager.

Stadionwelt: Wie reagieren die Fans auf die mobile Dauerkarte?
Fischer: Es ist eine ähnliche Situation wie im Jahr 2001, als wir die ersten Print@ Home-Tickets für den Motorrad Grand Prix angeboten haben. Die Fans sind überrascht. Im Unterschied zu damals wird heute solch ein Service schneller angenommen. Da es nichts zu beachten oder zu installieren gibt, probieren das die Fans einmal und wenn alles klappt, bleiben sie dabei. Aufgeregt hat das niemanden. Sie nutzen einfach den Service, mühelos und selbstverständlich.

Stadionwelt: Können Sie nachvollziehen, dass einige Menschen Sorge vor technischen Problemen haben?
Fischer: Ja, diese Bedenken sind uns durchaus bewusst. Deshalb kann jeder Fan für sich entscheiden, in welcher Form er auf seine Dauerkarte zurückgreifen möchte: Die klassische Plastikkarte, das durchaus schon gängige Print@Home-Ticket oder die mobile Lösung.

Stadionwelt: Lohnt sich eine mobile Dauerkarte auch für kleine Vereine? Was sollte der Verein beachten?
Fischer: Mobile Ticketing und mobile Dauerkarten lohnen sich für alle Vereine – unabhängig von Spielklasse oder Sportart – sie werden in kurzer Zeit nicht mehr wegzudenken sein. Durch die Google Analytics Reports sehen wir, dass die Ticketbuchungen mit mobilen Endgeräten bei Spitzenspielen deutlich über 30 % liegen. Die Fans wollen diesen Service und der Verein sollte dafür bereit sein. Erste Grundlage ist der für mobile Endgeräte optimierte Onlineshop. Aber auch die Website des Vereins sollte mobile verfügbar sein. Ein gutes Beispiel dafür ist die mobile Website der Würzburger Kickers.

Stadionwelt: Glauben Sie, dass in einigen Jahren gedruckte Tickets überhaupt noch verkauft werden?
Fischer: Gedruckte Tickets wird es immer geben. Allerdings sind Eintrittskarten auf dem Smartphone oder Tablet nicht nur ein Trend, sondern eine logische Entwicklung der heutigen Zeit. In den vergangenen drei Jahren registrieren wir beim Mobile Ticketing eine Steigerung von über 800 Prozent. (Stadionwelt, 06.01.2016)